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Hier kommt mal wieder ein altes Handout. Ich werde bei den Überarbeitungen
etwas nostalgisch, eigentlich ist es schade, dass wir dieses Medium nicht mehr
produzieren und es keine Handoutkisten mehr gibt. Naja, heute geht es jedenfalls
darum, den Preis zu bezahlen. Das Handout ist übrigens vom Januar
2003.
Den Preis bezahlen
In Lukas 14,28-30 erzählt Jesus eine
peinliche Geschichte: ein Mann will einen Turm bauen. Ein passendes
Baugrundstück ist schnell gefunden, ein Architekt ist zur Hand, und die
Bauarbeiter legen los. Alles scheint gut zu laufen, aber bereits nach einer
kurzen Zeit stellt der Mann fest, dass so ein Turm teurer ist, als er sich
ursprünglich vorgestellt hat. Das Fundament ist gerade fertig und der Estrich
kaum trocken, als ihm das Geld ausgeht. Die Arbeiter werden wieder entlassen,
und vom Traum des Mannes bleibt nur ein Loch im Boden.
Peinlich, peinlich.
Denn natürlich berichten die Zeitungen davon, und jeder kann sehen, dass der
Mann sich verkalkuliert hat. Er, der sich eben noch als geachteter Turmbauer
stolz vor dem Kamin seines Wohnzimmers stehen sah, ist nun zum Gespött geworden.
Sein Beispiel geht herum, und schon die kleinen Kinder lernen: „überleg Dir genau, ob Du eine Sache bezahlen kannst. Sonst geht es Dir einmal wie dem
Turmbauer.“
Jesus erzählt diese Geschichte nicht einfach nur so, sondern als Illustration
für eine Predigt über Nachfolge. Die Pointe ist nicht etwa eine Warnung für
Häuslebauer, sondern eine Ermahnung an Christen: „Kalkuliert gut, was es euch
kosten wird, mir nachzufolgen.“
Man bekommt wirklich nichts geschenkt. Selbst
das neue Leben, das Jesus uns gibt, kostet etwas, nämlich das alte Leben, das
wir vorher hatten. Natürlich ist das ein so geringer Preis, dass es sich kaum
lohnt, ihn zu erwähnen, aber es ist dennoch ein Preis, der bezahlt werden
muss.
Eine Begebenheit, die dieses Prinzip schön veranschaulicht ist die Geschichte
vom reichen Jüngling (Matthäus 19,16-22 | Markus 10,17-22 | Lukas
18,18-24).
Ein junger Mann kommt zu Jesus und fragt, was er tun muss, um in
den Himmel zu kommen. Jesus fragt ihn, ob er die Gebote Gottes kennt und danach
lebt. Der junge Mann ist erleichtert: „Ja, ich halte die Gebote seit meiner
Kindheit.“
Dann sagt Jesus ihm das, was wirklich nötig ist, um in das Reich
Gottes zu kommen: „Verkauf all deinen Reichtum, schenk das Geld den Armen und
folge mir nach!“ Zuerst hatte alles so gut geklungen und jetzt das! Alles
verkaufen, was er hatte und Jesus nachfolgen?! Das war zuviel verlangt, denn der
junge Mann war sehr reich. Traurig geht er von dem Gespräch mit Jesus fort,
worauf Jesus seinen Jüngern einige sehr nachdenkliche Worte.
Wohlgemerkt: Gott ist nicht gegen Wohlstand. Das Problem war hier nicht, dass
der junge Mann zu reich war, um in Gottes Reich zu kommen, es gab damals wie
heute reiche Menschen in der Nachfolge Jesu.
Das Problem war das geteilte
Herz: der junge Mann wäre Jesus schon gerne nachgefolgt, er hätte bloß immer
wieder mal nach seinen Besitztümern sehen wollen. Statt ganz bei der Sache zu
sein und Jesus mit allen nachzufolgen, was er war und hatte, hätte er immer mal
wieder zurückschauen und auf sein Geld achten müssen. Das war natürlich im
Gefolge eines Wanderpredigers ein Unding. Der reiche Jüngling hätte keine Zeit
gehabt, immer wieder mal die Missionsreisen für Bankgeschäfte zu unterbrechen,
und es wäre abzusehen gewesen, dass er mit dem Herzen nie so ganz bei der Sache
Jesu gewesen wäre.
„Die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen“ (1.Timotheus
6,10 nach der Elberfelder Übersetzung) und damit natürlich für viele ein
Fallstrick auf dem Weg mit Jesus. Wenn Du vor der Entscheidung stehst, entweder
Deine Aktienpakete oder Jesus aufzugeben, nimm die Aktienpakete. Man sieht ja
ohnehin, wie unsicher die Börse dieser Tage ist…
Was einer aufgeben muss, um Jesus konsequent nachfolgen zu können, ist sicher
ganz individuell, aber es gibt einen Preis, den jeder bezahlen muss, der Gott
erleben und Erweckung sehen will: Selbstverleugnung.
Selbstverleugnung
Und er rief das Volk samt seinen Jüngern zu sich und sprach zu ihnen: Wer mir nach kommen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und
folge mir nach! –Markus 8,34
Was hat es mit der Selbstverleugnung auf sich, von der Jesus hier redet? Ist
es Selbstverleugnung, wenn man einen falschen Namen angibt oder andere darüber
belügt, wer man wirklich ist? So etwas kommt natürlich häufig vor. Vielen ist es
peinlich, anderen zu zeigen, wie sie wirklich sind, und manchmal ist es sicherer
zu lügen.
Nehmen wir zum Beispiel einmal die Geschichte vom Verrat des Petrus
(Mat 26,58-75 | Mar 14,54-72 | Luk 22,54-62 | Joh 18,15-27). Das ist
wahrscheinlich eine der berühmtesten im Neuen Testament überhaupt, trotzdem
möchte ich sie hier einmal mehr erzählen.
Als Jesus nach seiner Gefangennahme
verhört wurde, sah Petrus von weitem zu. Es kam, wie es kommen musste, und er
wurde erkannt als einer, der mit Jesus herumgezogen war. Diese Nacht wurde eine
der schlimmsten Nächte im Leben des Petrus, denn er, der die Klappe immer so
weit aufgerissen hatte, stritt dreimal ab, Jesus überhaupt zu kennen. Früher war
er immer so mutig gewesen, und jetzt rutschte ihm das Herz in die Hose, als eine
Magd ihm auf den Kopf zusagte, dass er einer der Jünger des Herrn war.
Was
immer wieder übersehen wird, ist, dass Petrus nicht nur abstritt, Jesus
überhaupt zu kennen, er log damit auch über sich selber. Er leugnete ab, ein
Jünger Jesu gewesen zu sein.
Das ist aber nicht die Selbstverleugnung, von der Jesus redet, sondern eher
das genaue Gegenteil.
Petrus hat über seine Identität gelogen, um für sich
einen Vorteil zu schaffen. Er hatte Angst, dass man ihn auch verhaften und töten
würde, wenn er sich als Jünger Jesu outen würde. Die Selbstverleugnung, von der
Jesus redete, bedeutet aber, seine rechtmäßigen Bedürfnisse zu verleugnen, um
damit anderen einen Vorteil zu verschaffen.
Drehen wir die Uhr ein paar Stunden zurück und sehen uns einmal die
Verhaftung Jesu etwas genauer an.
Als die Knechte des Hohenpriesters und die
Soldaten Jesus im Garten Gethsemane gefangen nehmen wollten, war Petrus noch der
mutige und aufbrausende Mensch, der er eben war. Beherzt nahm er sein Schwert
und stürzte sich der Übermacht entgegen, um seinen Herrn zu verteidigen. Zum
Glück war er mit dem Schwert nicht besonders geschickt, so war der Schaden
gering. Statt jemanden zu töten, amputierte er nur Malchus, einem der Soldaten,
ein Ohr.
Da sprach Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn alle, die
das Schwert ergreifen, werden durch das Schwert umkommen. Oder meinst du, ich
könnte nicht meinen Vater bitten, und er würde mir noch jetzt mehr als zwölf
Legionen Engel schicken? – Matthäus 26,52-53
Petrus´ Widerstand hätte ohnehin nichts genutzt, gegen die Übermacht der
Soldaten wäre er hilflos gewesen. Aber es wäre auch gar nicht nötig gewesen.
Jesus hätte leicht eine eigene Streitmacht bestellen können. Eine Legion
umfasste zu der Zeit 6000 Fußsoldaten und etwa 600 Berittene, zusammen also
immer 72 900 Engel. Das sollte wohl ausreichen, um das Blatt zu
wenden!
Tatsache war aber, dass Jesus auf diese Armee verzichtet hat. Er
hätte das Recht gehabt, sich zu verteidigen und weiterzuleben, und er hätte
dieses Recht sicherlich gerne ausgenutzt. Aber er tat es nicht, weil er wusste,
dass es dem Willen Gottes widersprochen hätte.
Das ist Selbstverleugnung: den eigenen Willen, das eigene Bedürfnis hintenan
zu stellen und von den Möglichkeiten, die man hat, keinen Gebrauch zu machen, um
anderen zu helfen.
Eine solche Denkweise widerspricht natürlich allem, was man sonst so hört und
lernt. Die Welt lehrt uns, dass man sich selbst verwirklichen soll und immer auf
seinen Vorteil sehen soll. Wenn man schon Recht hat, soll man es
ausnutzen.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir das Recht haben,
unseren Bedürfnissen und Vorlieben gemäß zu leben, aber ich glaube auch von
ganzen Herzen daran, dass unsere Welt menschlicher wird, wenn wir manchmal auf
unser Recht verzichten. So ist es zum Beispiel das gute Recht eines jeden
Christen, den Gottesdienst seiner Wahl zu besuchen und nachher mit seinen besten
Freunden bei einem Kaffee oder einem Bier (je nachdem was für eine Gemeinde man
besucht) über die Predigt zu reden. Aber auf der anderen Seite wären unsere
Gemeinden menschlicher, wenn wir gelegentlich von diesem Recht keinen Gebrauch
machen und stattdessen mit Menschen am Rand der Gemeinde reden würden.
Genau
da fängt die Selbstverleugnung an, wenn man etwas Jesusmäßiges tut, was einem
auf den ersten Blick überhaupt nicht liegt und vielleicht sogar ein richtiges
Opfer ist.
Wenn man die Bibel liest, findet man viele Aufforderungen, seine
Bequemlichkeit zu vergessen und Opfer zu bringen:
Ihr habt gehört, dass gesagt ist: «Auge um Auge und Zahn um Zahn!» Ich
aber sage euch: Ihr sollt dem Bösen nicht widerstehen; sondern wenn dich jemand
auf deinen rechten Backen schlägt, so biete ihm auch den andern dar; und wer mit
dir rechten und deinen Rock nehmen will, dem lass auch den Mantel; und wenn dich
jemand eine Meile weit zu gehen nötigt, so gehe mit ihm zwei. – Matthäus
5,38-41
Bevor Du weiter liest, nimm Dir bitte ein wenig Zeit und überlege, wo es
sinnvoll wäre, auf Dein Recht zu verzichten und Dich selbst zu verleugnen. In
welchen Bereichen könnte das Reich Gottes besser gebaut werden, wenn Du in
Deinen Bedürfnissen etwas zurücksteckst?
Nimm am besten einen Stift zur Hand
und schreib diese Bereiche auf. (Nicht auf den Bildschirm
schreiben!)
Vielleicht stellst Du fest, dass Dich Gott in einem Bereich
herausfordert oder gebrauchen will, den Du Dir gar nicht vorstellen kannst. Dann
bete einfach und bitte Gott um die Kraft, die Du brauchst.
Opfer und Wiedergutmachung
Natürlich laden solche
Handouts zu Extremen geradezu ein. Ich weiß auch nicht woran es liegt, aber
Christen scheinen immer nur das eine oder das andere zu sein. Die einen
verleugnen sich so stark, dass sie ihre Bedürfnisse darüber vollkommen
vergessen; den anderen sind die Menschen um sich herum vollkommen gleichgültig
und sie sehen nur sich selbst.
Beide Extreme führen zu nichts Gutem, denn Gott denkt nicht in
Extremen. (Wenn nötig, diesen Satz 100 mal abschreiben!). Es gibt immer
wieder Christen, denen eigene Wünsche sehr gefährlich vorkommen. Sie denken,
dass alles, was sie gut finden oder ihnen gut tut, schlecht ist. Als Folge leben
sie entgegen dem, was Gott selbst in sie hineingelegt hat und werden bitter. Sie
drehen sich nur noch um andere, und ihr Leben hat irgendwann gar keine Qualität
mehr. Das ist nicht Selbstverleugnung sondern Selbstaufgabe.
Um sich selbst
verleugnen zu können, muss man natürlich zuerst einmal überhaupt seine
Bedürfnisse und Neigungen kennen und respektieren.
Aber auch der Weg der
ständigen konsequenten Selbstverwirklichung ist schlecht, denn wer Gott erleben
will, muss schon manchmal ein Opfer bringen und seine Bequemlichkeit hinter sich
lassen.
Ein guter Mittelweg scheint es mir zu sein, auf Zeiten der
Selbstverleugnung und Opfer immer wieder Zeiten der Wiedergutmachung folgen zu
lassen. Auch Jesus hat nicht immer nur das getan, was gegen seine Wünsche ging,
sondern hatte immer wieder Zeiten, in denen er sich von den Opfern erholt
hat.
Ein schönes Beispiel findet sich in Matthäus 14: Johannes der Täufer, einer
von Jesu besten Freunden, war hingerichtet worden. Als Jesus davon hörte, schlug
eine Woge des Schmerzes über ihm zusammen und er hatte nur noch einen Wunsch:
sich zurückziehen und alleine mit seinen Jüngern um den toten Freund trauern.
Jesus hätte dieses Bedürfnis natürlich als Anfechtung abtun können und statt
sich zurückzuziehen einfach weiterpredigen können. Viele von uns hätten das
getan. Aber Jesus hörte auf sein Bedürfnis und zog sich an einen einsamen Ort
zurück, um zu trauern.
Da passierte das, was immer geschah, wenn Jesus
irgendwo auftauchte. Es sprach sich herum und am Nachmittag war der Ort
überhaupt nicht mehr einsam, sondern mit etwa 20.000 Menschen überfüllt. Was
sollte Jesus tun?
Es gab zwei Möglichkeiten: entweder die Menschen wieder
wegschicken und sein Recht auf Trauer durchdrücken, oder aber sich selbst
verleugnen und ein Opfer bringen. Jesus brachte ein Opfer. Bis in die Dunkelheit
hinein diente er den Menschen und heilte ihre Kranken.
Bis hierher ist es
Selbstverleugnung, aber als Jesus mit seinem Dienst fertig war, nötigte er
seine Jünger, in das Schiff zu steigen und vor ihm ans jenseitige Ufer zu
fahren, bis er die Volksmenge entlassen hätte. Und nachdem er die Menge
entlassen, stieg er auf den Berg, um abseits zu beten; und als es Abend
geworden, war er allein daselbst.– Matthäus 14,22-23.
Hier geschieht
Wiedergutmachung: Jesus holt seine aufgeschobene Trauer nach.
Ich bemühe
mich, auf Zeiten des Opfers immer wieder solche Zeiten folgen zu lassen, in
denen ich mich um meine eigenen Bedürfnisse drehe. Wir müssen als Christen
lernen, zu einer Ausgewogenheit zu kommen. Mir liegt es beispielsweise nicht,
tiefe seelsorgerliche Gespräche zu führen. Ideal wäre es für mich zu predigen,
danach noch etwas small talk und nach Hause. Aber Jesus hat mir gezeigt, dass es
an dieser Stelle besser ist, auch mal ein Opfer zu bringen, und so bemühe ich
mich nach jedem Gottesdienst ein tiefes Gespräch zu führen. Ein Gespräch
überfordert mich nicht, wenn aber doch, sage ich es.
Auf der letzten Seite hast Du schon einige Bereiche aufgeschrieben, in denen
Selbstverleugnung angebracht wäre. Lies diese Liste noch einmal durch und
überlege Dir, wie Du mit diesen Punkten so umgehen kannst, dass Du zwar
herausgefordert, aber nicht überfordert bist. Benutze ruhig auch wieder einen
Stift dafür.
Und schließlich: setze das, was Du Dir überlegt hast, auch um.
Gottes Segen dabei!
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Bibelzitate nach der 1951er
Schlachterübersetzung
Mehr Theologie der Jesus Freaks Remscheid im
Internet: www.theologie.jfrs.de
Zu diesem Handout gibt es eine
Predigtkassette. Auch als mp3 im Internet.
Jesus Freaks Remscheid - your local underground church
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