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Das ganz normale Christsein und die Gaben des Geistes
Bereits das ganz normale Leben als Christ ist vom Übernatürlichen gekennzeichnet. Bei Licht
betrachtet ist es schon extrem übernatürlich, überhaupt eine Beziehung zu Gott zu haben. Es
erscheint uns häufig als ganz „normal“, weil wir so sehr daran gewöhnt sind, aber es ist nicht normal,
es ist etwas spektakulär Aussergewöhnliches!
Gott bestätigt uns durch Zeichen als seine Kinder. Einige dieser Zeichen sind im Markusevanglium
beschrieben: Diese Zeichen aber werden die, welche glauben, begleiten: In meinem Namen werden
sie Dämonen austreiben, mit neuen Zungen reden, Schlangen aufheben, und wenn sie etwas
Tödliches trinken, wird es ihnen nichts schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie
werden sich wohl befinden. Sie aber gingen aus und predigten allenthalben; und der Herr wirkte mit
ihnen und bekräftigte das Wort durch die begleitenden Zeichen. - Markus 16,17-18.20
Dass es diese Zeichen gibt, bedeutet nicht, dass wir sie ständig tun. Auch Jesus hat nicht immerzu
Wundern getan. Es bedeutet aber, dass wir sie tun können, durch den heiligen Geist, der in uns ist.
Ebensowenig wie Jesus (Johannes 5,19) können wir etwas aus uns selbst heraus tun. Alles, was an
Übernatürlichem durch uns geschieht, fliesst aus der Quelle des Heiligen Geistes.
Wichtig ist also, dass durch den Heiligen Geist, der ja in uns wohnt, Gott die Möglichkeit hat, durch
uns Wunder zu tun und uns auf jede nur mögliche Weise zu gebrauchen. Weil es der Heilige Geist ist,
der alle diese Dinge bewirkt, kann Gott sie durch jeden Christen vollbringen. Ohne Ausnahme.
Trotzdem gibt es Christen, durch die er manches häufiger tut als durch andere. In diesem Fall spricht
man von einer Geistesgabe. Das ist nicht anders als im natürlichen Bereich auch. Normalerweise
kann jeder Mensch laufen. Aber es gibt einige wenige, die besser laufen können als alle anderen, und
diese teilen sich bei den Olympiaden die Medaillen.
Ebenso kann jeder Christ Gottes Stimme hören, aber es gibt einige, die sie ungewöhnlich klar
vernehmen. Diese Christen sind dann Propheten. Gott kann durch jeden Christen heilen, aber es gibt
einige Christen, durch die er erheblich mehr Menschen heilt, als es sonst „üblich“ ist, und wir reden
von einer Gabe der Heilung. Jeder Christ ist aufgerufen, seine Gemeinde mit dem Zehnten zu
unterstützen, aber manche Christen haben auch die Gabe des Gebens und geben über das übliche
Mass hinaus.
Leider verstellt uns unsere Gabentheologie manchmal den Blick auf die Wahrheit, dass es eben der
Heilige Geist ist, der wirkt und dass er nicht an die Gabe gebunden ist. So kann es vorkommen, dass
Prediger niemals einen prophetischen Eindruck weitergeben würden, Heiler niemals predigen und
Propheten niemals für jemanden um Heilung beten würden. Das ist grundfalsch. Egal, welche Gabe
Du hast, Gott kann Dich auch in jeder anderen benutzen, wenn er möchte.
Ohne zu übertreiben, kann ich von mir behaupten, dass Gott mich in jeder der klassischen Gaben
benutzt hat, ausser der öffentlichen Sprachenrede und deren Auslegung. Trotzdem würde ich nicht
sagen, dass ich z.B. die Gabe der Heilung habe. Meine Gaben sind ganz anderer Natur, aber
trotzdem sind schon Leute geheilt worden, für die ich gebetet habe.
Das, worüber wir hier reden, ist also ein häufiges Gebrauchtwerden in der einen oder anderen
Richtung. Mit häufig meine ich nicht oft im Vergleich zu anderen, die die gleiche Gabe haben, sondern
im Vergleich zu anderen Gaben in deinem Leben. Dennoch solltest Du offen dafür sein, dass Gott
Dich auch in ganz anderer Richtung gebrauchen kann.
Geistesgaben werden mit dem griechischen Ausdruck, den das Neue Testament in der
Originalsprache verwendet, auch als „Charismen“ bezeichnet. Charismen bedeutet übersetzt etwa
„Gnadengaben“.
Geistesgaben sind Gnadengaben
Das führt uns gleich zum ersten wichtigen Punkt. Geistesgaben haben wir uns nicht erarbeitet.
Wir haben sie nicht deshalb, weil wir ein besonders heiliges und gerechtes Leben geführt haben oder
weil wir uns sonst auf irgendeine Weise positiv hervorgetan haben. Sie sind Geschenke Gottes, die
unabhängig von anderen Faktoren rein aus Gnade gegeben werden.
Das bedeutet für die Praxis eigentlich zweierlei, was es zu bedenken gibt:
1. Eine Gnadengabe lässt nicht auf geistliche Reife schliessen
Es ist sonderbar und für manch einen sehr befremdlich, wie viele völlig unreife Christen von Gott
mächtig gebraucht werden. In der Zeit nach meiner Bekehrung haben einige meiner Freunde durch
mich Jesus kennengelernt. Rückblickend betrachtet weiss ich, dass ich völlig unreif war, und dennoch
hat Gott mich in einigen Fällen benutzt. Es hatte eben nichts mit Reife zu tun, sondern mit Gnade.
Die Falle ist nun, dass man leicht auf den Gedanken kommen könnte, dass ein gesegneter Dienst in
Gottes Reich auf Reife schliessen lässt, oder dass Gott das eigene Leben ja nicht gar so schlecht
finden kann, weil er einen ja unablässig gebraucht! Vor dem Hintergrund dieses Gedankens
investieren viele Christen mehr in ihren Dienst als in ihre Reife. Das Resultat sind unreife Christen in
Diensten jeder Grösse.
Ich könnte leicht einige Beispiele nennen von Diensten in denen ich teilweise selbst mitgearbeitet
habe, die auf den ersten Blick sehr gut aussahen. Gaben kamen zum Einsatz und das Reich Gottes
wurde gebaut. Nach einiger Zeit stellte sich aber heraus, dass leitende Mitarbeiter ein Leben führten,
das von Gottes Massstäben weit entfernt war und teilweise fast über Nacht brach das ganze
Kartenhaus des Dienstes in sich zusammen.
Charismen entbinden uns nicht von der Verantwortung für unser geistliches Leben. Ungeachtet
dessen, was für Gaben uns Gott gegeben hat und welchen Platz wir in seinem Reich einnehmen,
bleibt unser geistliches Hauptziel, dass wir Christus ähnlicher werden.
Paulus ermahnt die Galater, dass Christus in ihnen Gestalt annehmen soll (Galater 4,19), das ist das
Ziel des Glaubens. Das Ende dieser geistlichen Entwicklung auf Christus hin ist, dass wir mit Paulus
sagen können: nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir! (Galater 2,20). Das Kriterium dafür ist
aber niemals Dienst, sondern charakterliche Entwicklung. Nicht die Gaben des Geistes – denn die gibt
es bei der Geistestaufe umsonst dazu – sondern die Frucht des Geistes:
Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue,
Sanftmut, Enthaltsamkeit.- Galater 5,22
So zeigt sich ein jesusmässiger Charakter.
In diesem Zusammenhang empfehle ich, einmal den Galaterbrief zu lesen. Es sind nur sechs Kapitel,
die aber über die Entwicklung eines jesusmässigen Charakters einiges zu sagen haben. Das
Schwergewicht bei Geistesgaben liegt natürlich im 1.Korintherbrief, aber wir würden sehr aus der
Balance geraten, wenn wir uns nur auf Gaben und nicht auf Charakter konzentrierten.
2. Von Gott gebraucht zu werden lässt keinen Raum für Stolz
Wer von Gott in einer Gabe gebraucht wird, steht immer in der Gefahr, stolz zu werden. Diese Gefahr
wird umso grösser, je gesegneter wir in der Ausübung unserer Gaben sind.
Allzu schnell bilden wir uns etwas darauf ein, von Gott benuntzt zu werden.
Paulus weist auf den Unsinn solcher Gedanken hin, wenn er schreibt:
Denn wer gibt dir den Vorzug? Was besitzest du aber, das du nicht empfangen hast? Wenn du es
aber empfangen hast, was rühmst du dich, wie wenn du es nicht empfangen hättest? - 1.Korinther 4,7
Da wir die Gaben umsonst als Geschenk bekommen haben, ist es abwegig, stolz auf sie zu sein. Die
einzig sinnvolle Einstellung ist es, sie dankbar anzunehmen und demütig zu gebrauchen. Stolz ist im
geistlichen Sinne, sich etwas einzubilden auf etwas, das Gott gemacht hat, also Gottes Wirken zur
eigenen Ehre heranzuziehen. Demut ist das genaue Gegenteil: erkennen, dass es Gott ist, der wirkt,
und ihm die Ehre dafür zu lassen.
Stolz ist geistliches Gift, vielleicht das stärkste überhaupt. An zwei Stellen des Neuen Testamentes
wird Jesaja 57,15 (etwas frei) zitiert: Gott widersteht dem Hochmütigen, dem Demütigen aber gibt er
Gnade (Jakobus 4,6 / 1.Petrus 5,5). Der Stolze macht sich Gott zum Feind und stellt sich abseits
seiner Gnade. Er denkt, dass er aus seiner eigenen Kraft ohne Gott leben kann und so keinen Gott
braucht. Jesus erzählt dazu eine berühmte Geschichte:
Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein
Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, daß ich nicht
wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort.
Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.
Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu
erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch:
Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird
erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden. - Lukas 18,10-14
3. Gaben müssen geschult werden
Das mag auf den ersten Blick etwas paradox klingen. Wenn Gaben von Gott gegeben werden, was
muss dann noch geschult werden?
Eine Gabe zu haben und sie gut auszuüben sind aber zwei ganz verschiedene Paar Stiefel.
Ich habe zum Beispiel von Gott die Gabe des Predigens und Lehrens bekommen. Dieses Gabe gibt
mir die Möglichkeit, Gottes Wort zu verkünden. Die Gabe ist zwar Gnade, aber an der Qualität der
Ausführung muss ich hart arbeiten. Predigten müssen vorbereitet werden, Folien und Handouts
geschrieben und designt werden und eine Fülle anderer Dinge, die um diese Predigtgabe herum von
Bedeutung sind. Das gleiche gilt für jede Gabe, die man haben kann. Sie wird besser, wenn man sie
benutzt und wenn man sich darin weiterbildet.
Im Alten Testament wurden Propheten ausgebildet (siehe zum Beispiel Elia und Elisa: 1.und 2. Buch
der Könige). Es ist eine Illusion, dass man von alleine in der Ausübung seiner Gabe reif wird. Ebenso
wie ein Lobpreisleiter sein Instrument üben und daran arbeiten muss, sein Repertoire ständig zu
erweitern und die Gemeinde in Gottes Gegenwart zu bringen, muss man jede andere Gabe üben und
sich weiterbilden, um besser zu werden.
Das ist wahrscheinlich auch gemeint, wenn Paulus seinen Schüler Timotheus daran erinnert, die
Gnadengabe anzufachen, die in Dir ist durch das Auflegen meiner Hände (2.Timotheus 1,6). Das ist
ein schönes Bild: Gott schenkt das Feuer, aber wir müssen pusten und Zweige darunter legen, um die
kleine Flamme zu einem grossen Brand anzufachen.
Es gibt auch die Möglichkeit, manche Geistesgaben in der Gruppe zu üben. Z.B. haben wir einmal die
Gabe der Auslegung (der Sprachenrede) geübt, oder überhaupt einmal geschaut, ob irgendwer bei
uns diese Gabe hat. Wir haben dazu einen Abend über Sprachengebet gemacht, und nach dem
theoretischen Teil und ein bischen Gebet haben alle, die in Sprachen beten konnten, nacheinander
laut in Sprachen gebetet. Das Ergebnis war sensationell: fast alle Sprachengebete wurden ausgelegt!
Natürlich ist so etwas auf den ersten Blick etwas seltsam, aber es lohnt sich, Christen in Geistesgaben
auszubilden. Der Nutzen für die Gemeinde wächst, je reifer jemand in der Ausübung seiner Gabe
wird.
Geistesgaben und natürliche Gaben
Nicht jede Begabung, die ein Mensch hat, ist eine Geistesgabe. Es gibt auch eine Fülle
natürlicher Gaben und Veranlagungen. Eine ist sportlich, ein anderer kann gut malen. Solche Gaben
gibt es überall, nicht nur Christen haben sie. Geistesgaben von natürlichen Gaben zu unterscheiden
ist nicht ganz einfach und in manchen Fällen sicherlich gänzlich unmöglich. Es gibt eine Grauzone
zwischen beiden, die es uns erschwert, allzu dogmatisch zu sein. Bei manchen Gaben ist es ganz
offensichtlich, dass sie vom Heiligen Geist sind, weil sie übernatürlich sind, z.B. die Gabe der
Auslegung. Wenn jemand im Gottesdienst eine Sprachenrede auslegt, ist klar, dass die Auslegung
von Gott kommt und dieser Mensch nicht einfach „sprachbegabt“ ist.
Auf der anderen Seite erwähnt Paulus in Römer 12,8 eine Gabe der Freigebigkeit; wie will man diese
von der natürlichen Grosszügigkeit unterscheiden?
Die natürlichen Gaben stehen in Gottes Reich Schulter an Schulter neben den Geistesgaben. Gott will
sein Reich durch beide bauen. Es ist an dieser Stelle gut, sich von einer Gewichtung frei zu machen.
Wenn Petrus schreibt, dass wir als gute Haushalter der mannigfachen Gnade Gottes einander mit den
Gaben die wir empfangen haben dienen sollen (1.Petrus 4,10), dann meint er sicher beides, natürliche
Gaben und Geistesgaben. Der handwerkliche begabte Christ, der als Hausmeister die Gemeinde in
Schuss hält, dient der Gemeinde ja nicht weniger als der Prophet.
Eigentlich ist der Unterschied auch nicht so gross. Geistesgaben sind übernatürlich erhaltene oder
durch den Heiligen Geist verstärkte Gaben für den Dienst in der Gemeinde, natürliche Gaben sind uns
auch von Gott gegeben und sollten für das Reich Gottes eingesetzt werden.
Geistesgaben sind Gaben an die Gemeinde
Gott hat die Gaben also mit dem Ziel gegeben, die Gemeinde aufzubauen:
Und Er hat gegeben etliche zu Aposteln, etliche zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu
Hirten und Lehrern, um die Heiligen zuzurüsten für das Werk des Dienstes, zur Erbauung des Leibes
Christi. – Epheser 4,11-12
Die einzige Ausnahme zu dieser Regel ist die Gabe des Sprachengebets, die ausdrücklich zur
eigenen Erbauung gegeben wurde (1.Korinther 14,4). Damit ist einiges über das Umfeld der Gaben
gesagt: da sie der Gemeinde gegeben sind, gehören sie auch in die Gemeinde und den
Gemeindealltag hinein. Die Gemeinde ist das Übungs- und Wirkungsfeld der Geistesgaben.
Man kann Geistesgaben gar nicht für sich selbst verwenden, auch wenn das manchmal versucht wird.
Sie zielen immer auf den anderen ab. Ein russisches Märchen illustriert diesen Aspekt:
Ein Rabbi kommt zu Gott: „Herr, ich möchte die Hölle sehen und auch den Himmel." - „Nimm Elia als
Führer", spricht der Schöpfer, „er wird dir beides zeigen."
Der Prophet nimmt den Rabbi bei der Hand. Er führt ihn in einen großen Raum. Ringsum Menschen
mit langen Löffeln. In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle
schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf. Aber die Menschen sehen mager aus, blaß, elend.
Kein Wunder: Ihre Löffel sind zu lang. Sie können sie nicht zum Munde führen. Das herrliche Essen ist
nicht zu genießen.
Die beiden gehen hinaus. „Welch seltsamer Raum war das?" fragte der Rabbi den Propheten. „Die
Hölle", lautet die Antwort.
Sie betreten einen zweiten Raum. Alles genau wie im ersten. Ringsum Menschen mit langen Löffeln.
In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle schöpfen mit ihren
langen Löffeln aus dem Topf. Aber - ein Unterschied zu dem ersten Raum: Diese Menschen sehen
gesund aus, gut genährt, glücklich.
„Wie kommt das?" - Der Rabbi schaut genau hin. Da sieht er den Grund: Diese Menschen schieben
sich die Löffel gegenseitig in den Mund. Sie geben einander zu essen. Da weiß der Rabbi, wo er ist.
Manche Christen sind zwar von Gott begabt, kommen aber dennoch nicht in ihre Gaben hinein, weil
sie nicht bereit sind, der Gemeinde zu dienen. Gott baut sein Reich durch Gemeinde, sie ist sein
Wirkungsbereich in dieser Welt. Wer in Geistesgaben reif werden will, der wird nicht um Gemeinde
herumkommen. Das stellt natürlich manche von uns vor ein Problem, nämlich diejenigen, die aus
Gemeinden kommen, die nicht an Gaben glauben oder sogar Angst vor den Charismen haben. Die
Verantwortung für die Gaben, die Gott in uns hineingelegt hat, stellt manchmal ein erhebliches
Gegengewicht zur Treue zu einer bestimmten Gemeinde dar.
Wie viele Geistesgaben gibt es?
Je nachdem, welches Buch über Geistesgaben man liest oder welchen Prediger man hört, kommt
man auf völlig unterschiedliche Anzahlen von Geistesgaben und natürlich auch auf völlig unterschiedliche
Gaben. Der Grund dafür ist der, dass es im Neuen Testament verschiedene Listen von
Gaben gibt. Die drei grössten stehen im Römerbrief, im 1.Korintherbrief und im Epheserbrief:
• Römer 12,6-8: Weissagungen, Dienst, Lehre, Ermahnung, Freigebigkeit, Leitung, Barmherzigkeit
• 1.Korinther 12-13: Wort der Weisheit, Wort der Erkenntnis, Glauben, Heilungen, Wunderkräfte,
Weissagungen, Geisterunterscheidung, Sprachen, Auslegungen, Apostel, Propheten, Lehrer,
Hilfeleistungen, Verwaltung, freiwillige Armut
• Epheser 4,11: Apostel, Hirten, Lehrer, Propheten, Evangelisten
Interessant ist, dass keine dieser Listen vollständig sind. Obwohl alle drei aus der Feder des Apostel
Paulus stammen, unterscheiden sie sich nach Art und Umfang doch erheblich. Ich vermute, dass
Paulus über Gaben gesprochen hat, die in der jeweiligen Gemeinde vorhanden waren und an die er
sich gerade erinnert hat, als er den jeweiligen Brief geschrieben hat. Es sollte sich an keiner Stelle um
eine vollständige Liste handeln, die sagt: „Das sind alle Geistesgaben, die es überhaupt gibt.“
Das legt natürlich den Verdacht nahe, dass es noch mehr Gaben geben kann.
Tatsächlich bin ich davon überzeugt, dass es so ist. Die Zeiten haben sich in den letzten 2000 Jahren
erheblich geändert, die Gemeinde hat heute andere Bedürfnisse als damals und es gibt somit andere
Felder, Gott zu dienen.
Es gibt sicherlich geistliche Begabungen, die nicht in der Bibel stehen, die aber den „klassischen“
Gaben des Neuen Testamentes in nichts nachstehen. Ich denke z.B. an die Gabe des Kinderdienstes,
der Seelsorge, des DJings usw. Gott begabt heute anders als damals.
Das heisst, dass man nicht genau sagen kann, wie viele Gaben es gibt. Jeder zählt anders, und jeder
hat irgendwie recht. Aber solange etwas von Gott kommt, in Demut und Liebe ausgeübt wird und die
Gemeinde aufbaut, ist es in Ordnung!
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