Sünde gegen den Heiligen Geist

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Ich war in Griechenland, wo wir uns von einem Missionseinsatz in Albanien erholten, als ich zum
ersten mal in der Bibel von der Sünde gegen den Heiligen Geist las und davon, dass die Lästerung
des Heiligen Geistes nicht vergeben werden kann.
Ich war zwar noch nicht lange Christ, aber eigentlich vom Leben mit Jesus total überzeugt, und ich
freute mich sehr auf den Himmel. Da schlug diese Bibelstelle in mein junges Glaubensleben ein wie
eine Bombe. Obwohl ich bisher davon überzeugt gewesen war, dass Jesus mir alle Sünden vergeben
hatte und ich auch die Taufe mit dem Heiligen Geist erlebt hatte und in Sprachen beten konnte, war
ich auf einmal sicher, den Heiligen Geist gelästert zu haben, und dass es keine Vergebung für mich
gäbe.
Das, was folgte, war eine entsetzliche Zeit der Glaubenszweifel. Ich liebte Jesus und war schliesslich
bereit, ihm sogar dann noch zu folgen, wenn ich den Himmel schon verspielt hätte. Aber auch bei
diesem Gedanken war mir gar nicht wohl, denn ich wollte natürlich nicht in die Hölle!
Dieser innere Konflikt wurde durch ein Buch entschieden: „Guten Morgen Heiliger Geist!“ von Benny
Hinn.
In einer Geschichte fand ich mein Problem wieder:
„Einmal kam ein Mädchen im Teenageralter zu mir in der Überzeugung, sie hätte den Heiligen Geist
gelästert.
‚Machst du dir Sorgen?‘ fragte ich sie.
‚Ja‘, sagte sie mit sorgenvollem Gesicht.
‚Junge Dame‘, sagte ich, ‚allein die Tatsache, dass du dir Sorgen machst, bedeutet, dass du den
Heiligen Geist nicht gelästert hast.‘“1
Das ist natürlich nicht gerade ein theoloogisches Argument, aber in dem Moment wusste ich einfach,
dass es wahr ist, dass ich den Heiligen Geist nicht gelästert hatte und auch nicht in die Hölle kommen
würde. Was für eine Erleichterung....
Seitdem habe ich viele Christen getroffen, die mit einer ähnlichen Angst, den Heiligen Geist gelästert
zu haben, leben. Und so hat mich die Stelle immer wieder mal beschäftigt. Mit diesem Text möchte ich
gerne ein paar theologische Einsichten weitergeben, die ich im Laufe der Zeit gewonnen habe.
Der Bibeltext
Die Geschichte steht in drei Evangelien: Matthäus 12,22-32 / Markus 3,20-30 und Lukas
11,14-23. Die Rahmenhandlung der Geschichten ist so unterschiedlich, dass man den Eindruck hat,
Jesus könnte mehrmals über das Thema gesprochen haben.
Um die Unterschiede besser nachvollziehen zu können, empfehle ich Dir, die Stellen selber einmal in
der Bibel nachzulesen.
Im Matthäusevangelium predigt Jesus vor einer grossen Menschenmenge (12,15), und ein
Besessener wird zu ihm gebracht, den Jesus heilt. Markus berichtet, dass Jesus und seine Jünger in
einem Haus waren, von einem Besessenen ist nicht die Rede, die Kontroverse entzündet sich hier an
Jesu Worten (3,21). Lukas berichtet zwar vom Streitgespräch mit den Pharisäern (wie bei Matthäus
ausgelöst durch die Befreiung eines Besessenen), aber nicht von der Schlussfolgerung der Sünde
gegen den Heiligen Geist.
Also müssen wir uns, auch wenn Lukas eine ähnliche Begebenheit berichtet, an Matthäus und Markus
halten, um etwas über die Sünde gegen den Heiligen Geist zu erfahren.
1 Benny Hinn: Guten Morgen, Heiliger Geist!, Asslar 1992, Seite 164-165
Der Adressat – Feinde des Evangeliums
In allen drei Berichten spricht Jesus zu Pharisäern, die entweder mit seiner Lehre nicht
klarkommen, oder aber damit, dass er einen Besessenen von einem Dämon befreit hat. Es ist schon
einmal beruhigend, dass Jesus hier nicht mit seinen Jüngern redet, die den Heiligen Geist gelästert
haben, sondern mit seinen Feinden. Als geisterfüllter Christ weiss man den Heiligen Geist zu
schätzen, und weniges läge ferner, als ihn zu lästern.
So werden wir als Gläubige auch an keiner Stelle des Neuen Testamentes aufgefordert, den Geist
nicht zu lästern. Es ist einfach absurd, anzunehmen, dass jemand, der mit Jesus lebt, so etwas tun
würde. Dass trotzdem im Umgang mit Gottes Geist einiges schiefgehen kann, davon spricht Paulus im
1.Thessalonicher 5,19: Den Geist löscht nicht aus!
Den Geist auszulöschen (andere Übersetzungen sagen: dämpfen) oder ihn zu betrüben (Epheser
4,30), bedeutet etwas ganz anderes als ihn zu lästern. Auch wir als Christen müssen lernen, mit
einem Heiligen Geist umzugehen und auf Gottes Geist einzugehen, aber es ist zumindest sehr
unwahrscheinlich, dass wir ihn lästern würden.
Diese Warnung Jesu richtet sich eindeutig an Feinde des Evangeliums.
Lästern – ein starkes Wort
Das griechische Wort für „lästern“ heisst blasphemeo, von ihm leitet sich das deutsche Wort
„Blasphemie“ ab. Im Neuen Testament bringt das Wort fast immer eine direkte oder indirekte Haltung
gegenüber einer Person zum Ausdruck2. Es geht hier also nicht darum, mal einen schlechten Witz
über den Heiligen Geist zu machen, sondern um eine Haltung Gott gegenüber.
Das ist auch einer der Schlüssel zum Verständnis der unvergebbaren Sünde. Es geht hier nicht um
eine Tat, sondern um eine generelle Haltung Gott gegenüber.
Letzten Endes steht und fällt unser geistliches und auch das ewige Leben mit der Haltung, die wir Gott
gegenüber einnehmen. „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade“
(Jakobus 4,6 und 1.Petrus 5,5). Es geht darum, ob wir Gottes Herrschaftsanspruch an unser Leben
anerkennen oder ob wir davon ausgehen, unseres eigenen Glückes Schmied zu sein und unser
Leben auch ohne Gott auf die Kette zu kriegen. Die Haltung, die hinter dem Lästern steht, ist eine
eindeutig hochmütige, die bewusst versucht, Gottes Werke schlecht zu machen.
Blasphemeo hat immer den Sinn, etwas wissentlich schlecht zu machen.
Bedenken wir, dass die Pharisäer wohl wussten, wen sie vor sich hatten. Sie hatten die Schriften des
Alten Testamentes ihr Leben lang studiert. Sie hätten den Messias erkennen müssen. Sie mussten
einfach wissen, dass sie es mit einem Wirken Gottes zu tun hatten. Und dennoch schrieben sie dieses
Wirken dem Teufel zu.
Noch am Kreuz hat Jesus für seine Mörder gebetet: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was
sie tun! Lukas 23,34. Davon konnte hier keine Rede sein. Die Schriftgelehrten wussten, was sie taten.
Menschensohn vs. Heiliger Geist
Jesus sagt: wer ein Wort redet gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden;
wer aber gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden. (Matthäus 12,32).
Über diese Redewendung ist viel nachgedacht worden. „Sohn des Menschen“ wird von Jesus
eindeutig als Titel verwendet. Es ist der Titel, den er am häufigsten für sich verwendet: immerhin
zweiundachtzig mal in den Evangelien3. Im Griechischen ist diese Redewendung absolut
ungewöhnlich und sie ist wohl nur eine direkte Übersetzung des Aramäischen, das Jesus gesprochen
hat. Im Aramäischen heisst „Sohn des Menschen“ einfach nur „Mensch“ und ist wahrscheinlich kein
besonderer Titel gewesen.
2 vgl. Coenen, Beyreuther, Bietenhard: Theologisches Begriffslexikon zum Neuen Testament,
Wuppertal, 1972.
3 vgl. Robert H. Stein: The Method and Message of Jesus´ Teachings, Louisville, Kentucky, 1994.
Pages 135ff
Deshalb gehen die Meinungen der Theologen hier auseinander: einige sagen, dass Jesus sich selber
gemeint hat, andere gehen davon aus, dass die Lästerung irgendeines Menschen vergeben wird und
dass Jesus nicht sich selber gemeint haben kann, weil ja von der Göttlichkeit Jesu her betrachtet
eigentlich kein grosser Unterschied zwischen ihm und dem Heiligen Geist ist: beide sind Gott.
Ich persönlich glaube, dass beides richtig ist. Jesus hat diesen Ausdruck ganz bestimmt als Titel
benutzt. An allen anderen Stellen zweifelt das auch niemand an. Warum also hier?
Aber da wir ja glauben, dass Jesus zur gleichen Zeit 100% Gott und 100% Mensch war, konnte man
zu allen Zeiten beides in ihm sehen. Man konnte ihn reden, laufen, essen, schlafen usw. sehen und
nichts als einen Menschen in ihm erkennen, und man konnte ihn predigen, heilen und Dämonen
austreiben sehen und Gott in ihm erkennen.
Viele Menschen haben in Jesus nicht sofort Gottes Sohn erkannt, aber Jesus hat sie nicht dafür
getadelt, sondern ihnen oft noch eine „Extraoffenbarung“ gegeben.
Z.B. in der Heilungsgeschichte eines Gelähmten (Markus 2):
1 Und nach etlichen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und als man hörte, daß er im Hause
wäre,2 versammelten sich alsbald viele, so daß kein Raum mehr war, auch nicht draußen bei der Tür;
und er predigte ihnen das Wort. 3 Und man brachte einen Gelähmten zu ihm, der von Vieren getragen
wurde. 4 Und da sie wegen der Menge nicht zu ihm herankommen konnten, deckten sie dort, wo er
war, das Dach ab, und nachdem sie durchgebrochen, ließen sie das Bett, darauf der Gelähmte lag,
herab. 5 Als aber Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Sohn, deine Sünden sind
dir vergeben! 6 Es saßen aber dort etliche von den Schriftgelehrten, die dachten in ihren Herzen: 7
Was redet dieser so? Er lästert! Wer kann Sünden vergeben als nur Gott allein? 8 Und alsbald merkte
Jesus kraft seines Geistes, daß sie so bei sich dachten, und sprach zu ihnen: Warum denkt ihr
solches in euren Herzen? 9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind dir
vergeben? oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und wandle? 10 Damit ihr aber wisset, daß des
Menschen Sohn Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben, sprach er zu dem Gelähmten: 11 Ich
sage dir, stehe auf, nimm dein Bett und gehe heim! 12 Und er stand auf, nahm alsbald sein Bett und
ging vor aller Augen hinaus; so daß sie alle erstaunten, Gott priesen und sprachen: Solches haben wir
noch nie gesehen!
Die Schriftgelehrten hatten nur einen Menschen sagen hören, dass er Sünden vergeben könnte. Das
konnten sie – zu Recht! – nicht annehmen. Jesus war überhaupt nicht wütend und sagte auch nicht,
dass diese Gedanken Sünde seien, sondern er gab den Pharisäern ein Zeichen, das ihn als Gottes
Sohn und Gesandten auswies. Anders als manch andere ähnliche Geschichte in den Evangelien ging
diese gut aus, am Ende priesen alle Gott.
Es ist also eine Sache, einen menschlichen Boten Gottes abzulehnen, aber eine andere, einem
direkten Wirken Gottes zu widersprechen. Jesus hatte es genauso nötig, in seinem Dienst vom
Heiligen Geist bestätigt zu werden, wie wir auch. Es liegt einfach in der menschlichen Blindheit
begründet, einen Boten Gottes nicht zu erkennen, und das ist zunächst einmal keine Katastrophe.
Aber Gott bestätigt seine Boten übernatürlich (Markus 16,20), und einer so klaren Bestätigung Gottes
zu widersprechen, wie Jesus sie hatte, ist schon eine heftige Sache.
Die Sünde gegen den Heiligen Geist
Darüber, was die Sünde gegen den Heiligen Geist genau bedeutet, ist viel spekuliert worden.
Im Laufe der Jahrhunderte sind die seltsamsten Ansichten geäussert worden. Manche haben gesagt,
es hiesse, einen Propheten zu unterbrechen. Andere meinten, es hiesse die charismatische
Bewegung abzulehnen oder auch nur manche Auswüchse zu kritisieren.
Vom Bibeltext her ist die Sache aber eigentlich klar: es bedeutet, wissentlich ein Wirken Gottes dem
Satan zuzuschreiben.
Das erklärt auch, warum die Sünde unvergebbar ist. Man muss schon eine ganze Strecke von Gott
entfernt sein, um seine übernatürlichen Taten dem Teufel zuzuschreiben. Busse hat immer etwas mit
Einsehen und oft auch Zerbruch zu tun. Wenn jemand so weit von Jesus entfernt ist, dass er ein
Wirken des Heiligen Geistes zwar noch erkennt, aber es dennoch nicht anerkennt und darüber lästert,
kann man schon davon ausgehen, dass er ein sehr hartes Herz hat, das keine Busse mehr tut.
Paulus schreibt von sich, dass er selber mal diese Haltung Gott gegenüber hatte, dass er auch ein
Lästerer war (1.Timotheus 1,13) der vor seiner Bekehrung sogar Christen mit Gewalt zur Lästerung
gezwungen hat (Apostelgeschichte 26,11). Trotzdem ist ihm vergeben worden. Die Sünde gegen den
Heiligen Geist wird nicht deshalb nicht vergeben, weil Gott sie nicht vergeben will, sondern weil der
Mensch so weit von ihm entfernt ist, dass er keine Vergebung mehr sucht. Wenn selbst ein direktes
Wunder Gottes ihn nicht mehr erreicht, wie soll Gott ihn dann erreichen?
Ich denke, dass unsere Zeit von Menschen wie den Pharisäern voll ist.
Genau wie Jesus brauchen wir heute die Kraft des Heiligen Geistes, um Menschen von der Realität
Gottes zu überzeugen – wie einen Ausweis, den wir vorzeigen können, um die Leute um uns herum
davon zu überzeugen, dass wir Gottes Gesandte sind.
Genau wie Jesus haben wir diesen Ausweis auch, und er ist für Ungläubige sichtbar. Vielleicht
bestätigt uns Gott nicht in dem Masse wie Jesus und ganz gewiss nicht in dem Masse, in dem wir uns
das vorstellen, aber es ist doch eine Tatsache, dass der Heilige Geist unter uns wirkt. Wir haben in
unseren Gemeinden viele Beispiele von Gottes lebensverändernder Kraft und immer auch einige von
göttlicher Heilung. Wenn schon unsere Worte niemanden von Gott überzeugen können, sollten
wenigstens diese Taten überzeugend sein.
Leider machen wir aber immer wieder auch die Erfahrung, die Jesus gemacht hat. Die Haltung der
Menschen Gott gegenüber ist so verhärtet, dass sie Gottes Wirken wegrationalisieren und anderen
Faktoren zuschreiben. Natürlich würde heute niemand mehr sagen, dass ein Wirken Gottes vom
Teufel ist. Dazu sind wir viel zu „aufgeklärt“! Heute sehen die Erklärungen anders aus, wirken aber
ebenso absurd: Selbstheilungskräfte, Einbildung, Zufall, kosmische Strahlung, selbst Aliens und
anderer Unsinn werden ins Feld geführt, um nur nicht die einzige Erklärung zuzulassen, die logisch ist:
dass Gott noch heute wirkt. Nicht sein kann, was nicht darf!
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